Erkenntnistheorie

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Eine Einführung in die Erkenntnistheorie
Vorlesung von Wolfgang Spohn im SS 1995 Skriptum ausgearbeitet von Martin Rechenauer

Inhaltsverzeichnis

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Zur Einführung Die skeptizistische Herausforderung Analysen des Wissensbegriffs Statische Glaubenstheorie Dynamische Glaubenstheorie Gründe und Begründungen Glaubenszuschreibungen und Glaubensinhalte Manifestationendes Glaubens Wahrnehmungstheorie

3 7 25 39 63 84 97 123 132 133 155

10. Zum Zusammenhang zwischen Glauben und Wahrheit Literaturverzeichnis

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1. Zur Einführung
Die Erkenntnistheorie ist ohne Zweifel eine der zentralen Grunddisziplinen der Philosophie; diese Position nimmt sie freilich erst seit Descartes, also seit der philosophischen Neuzeit, ein. Es ist kein schlechtes Verfahren,die Gebiete der Philosophie anhand der Leitfragen einzuteilen, deren Beantwortung seit der Antike versucht wird. Da beginnt man mit der Leitfrage der prima philosophia, welche nach klassischem Verständnis in der Metaphysik und Ontologie besteht: Was gibt es? Die Leitfrage der Erkenntnistheorie hingegen lautet: Was kann ich wissen? In der Neuzeit wurde die klassische ontologische Fragestellung dannzusehends erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten unterworfen. Mit Descartes kam die Idee auf, daß man zunächst einmal klären müsse, was man wissen könne, bevor man sich der Frage widmen könnte, was es gibt. Die Entwicklung der modernen analytischen Philosophie setzte sich dahin fort, daß nunmehr die Sprachphilosophie eine Schlüsselrolle einnimmt. Deren Leitfrage wiederum lautet: Wie reden wirüber das, was es möglicherweise gibt und wovon wir etwas wissen können? Allerdings ist die sprachphilosophische Wende in der modernen analytischen Philosophie ebenfalls erkenntnistheoretisch motiviert; da Wissensansprüche allgemein in sprachlicher Gestalt einhergehen, liegt es nahe, sie in dieser ihrer typischen Erscheinungsform zu untersuchen. Somit bleibt die Erkenntnistheorie mit ihrer spezifischenFragestellung weiterhin im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es ist bei einer Vorlesung der vorliegenden Art meist üblich, einen historischen Abriß zu präsentieren, in dessen Verlauf dann die Probleme samt der Art und Weise, wie sie von den Altmeistern der Philosophie behandelt wurden, vorgestellt werden. In dieser Vorlesung soll jedoch ein systematischer Zugang vorherrschen; das hat mit den Vorliebenund Talenten dessen, der sie hält, zu tun, wie auch mit seiner Überzeugung, daß die klassischen Fragen sich in der aktuellen Diskussion oft genug wiederfinden und dort häufig klarer behandelt werden. Ich habe oben gesagt, daß die Leitfrage der Erkenntnistheorie sei: Was kann ich wissen? Nun ist der Wissensbegriff selbst Gegenstand erkenntnistheoretischer Analysen, die recht vielfältig ausfallenkönnen, aber stets als Kern die Behauptung aufwei-

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sen, daß Wissen wahre Überzeugung oder wahrer Glauben sei. Damit erweist sich aber der Glaubensbegriff, oder wie er vielleicht sprachlich eindeutiger bezeichnet werden sollte: der Begriff der Überzeugung als der eigentliche Grundbegriff. Entsprechend lautet die Grundfrage denn auch angemessener: Was soll ich glauben? Noch präziser kann mandie Grundbegriff der Erkenntnistheorie mit Hilfe der folgenden Formulierung zum Ausdruck bringen: Subjekt a glaubt zum Zeitpunkt t im Grade r, daß p. Hierin haben wir vier Positionen, die schematischer Natur sind. Zu den ersten beiden, zum Subjekt der Erkenntnis a und zu den Zeitpunkten t, wird im folgenden nichts mehr gesagt werden; sie sind keine spezifischen Gegenstände der Erkenntnistheorie. Diefür unsere Disziplin relevanten Parameter sind dagegen der Überzeugungsgrad r und der Überzeugungsgrad p; sie werden in den zentralen mittleren Kapiteln dieser Vorlesung genauer behandelt. Auf zwei Dinge möchte ich einleitend noch hinweisen. Erstens wurde bei der obigen Reformulierung der Leitfrage der Erkenntnistheorie eine subtile Veränderung vorgenommen: aus „Was kann ich wissen?“ wurde...
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