Parlamentswahlen in katalonien

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6. November 2006
Es tut sich was in Katalonien

Die nationalistisch-separatistischen Bestrebungen der alteingesessenen politischen Riege Kataloniens sind allgemein bekannt. Was aber in den mittlerweile schon 30 Jahren postdiktatorischer Demokratie Kataloniens von dem so genannten "Establishment" gern schon mal diskret verschwiegen wird ist, dass über die Hälfte der katalanischen Bevölkerungihren Ursprung in anderen Regionen Spaniens hat und dass dementsprechend allein deswegen schon ein großer Teil der in der katalanischen autonomen Gemeinschaft lebenden Menschen ein doch eher distanziertes Verhältnis zu jenem oft übereifrig inszenierten Patriotismus pflegt.

Im Zuge der wachsenden Industrialisierung Kataloniens und der gleichzeitig seinerzeit starken Verarmung anderer, eherländlicher Gebiete Spaniens fand vor allem in den 60er Jahren ein bedeutender Migrationsprozess gen Katalonien statt. Diese Menschen bzw. deren Kinder und Enkelkinder halfen eigenhändig das Land aufzubauen und machen heute mehr als die Hälfte der katalanischen Population aus (demografische Studien weisen darauf hin, dass ohne diese Migrationsströme das heutige Katalonien nicht 6,6 sondern vielmehr 2,6Millionen Einwohner zählen würde). Entsprechend weist ein Großteil der heutigen katalanischen Bevölkerung allein schon biographisch-historisch bedingt ein sehr ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl zu Spanien auf, ein Land das diese Menschen – zusammen mit Katalonien – als deren ebenbürtige Heimat betrachten. Hinzu kommt, dass die meisten dieser "Einwanderer", wie sie in der nationalistischenTerminologie gern genannt werden, auch Spanisch ("castellano") als Muttersprache haben - obwohl viele, vor allem die Nachkommen in der zweiten und dritten Generation, auch perfekt Katalanisch sprechen.

Diese katalanische "Realität", die in Form einer sprachlich und kulturellen Vielfalt im katalanischen Alltag nicht zu übersehen ist, wird allerdings bislang in der nationalistisch geprägten PolitikKataloniens kaum widergespiegelt. Im Gegenteil. Das institutionelle, offizielle Katalonien stellt sich selbst gern ganz anders dar: Im Parlament wird ausschließlich Katalanisch gesprochen, in den Schulen wurde langsam aber sicher im Laufe der Zeit mittels der so genannten "inmersión lingüística", nicht selten gegen den Willen der Eltern, Katalanisch als alleinige "Kommunikationssprache" ("lenguavehicular") durchgesetzt, was zu einer Vielzahl von Problemen geführt hat: angefangen bei einer Reihe von Gerichtsprozessen, über die Abwanderung vieler spanischsprachiger Lehrpersonen, bis hin zu dem jüngsten Beispiel des Herrn Carmelo González, der für das verfassungsmäßige Recht, seine Tochter auf Spanisch einzuschulen, sogar in den Hungerstreik trat - ohne Erfolg. An den Universitäten sehen dieAussichten nicht anders aus und auch die Medien, d.h., die überwiegende Zahl von Radiosendern, eine Vielzahl von Zeitungen, vor allem aber auch der öffentliche regionale Fernsehsender TV3 weist auf Grund der drei Jahrzehnte langen Regierung der katalanistisch-konservativen "Convergència i Unió" eine deutlich nationalistische Prägung auf. Demzufolge ist auch hier per Gesetz bzw. per Dekret dieProgrammgestaltung einzig und allein auf Katalanisch.

Die Nationalisten fordern mit Recht die Anerkennung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Spaniens. Dass diese Vielfalt aber in Katalonien selbst mindestens genauso bunt ist, wird allerdings systematisch von der politischen Führung gern vertuscht, wenn nicht gar bekämpft. Immer wieder drängen kleinere und mittlere Skandale an die Öffentlichkeit.So beispielsweise der Fall des Maurers in der Kleinstadt Olot, dem die Arbeitsstelle bei der Stadtverwaltung verwehrt wurde. Der offizielle Grund war nicht etwa – wie man vielleicht vermuten könnte – ein Defizit an fachspezifischen Maurerkenntnissen, sondern vielmehr der Mangel an Kenntnissen des "geschriebenen" Katalanischen. Oder der Fall des mexikanischen Konsuls, der zwar in Barcelona...
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